rare horses in life and art





Bucephalus- Legenden und Geheimnisse um ein Pferd
Die Wüstenpferde Asiens gelten seit Tausenden von Jahre als geheimnisvoll, schnell wie der Wind, ausdauernd, treu, genügsam, schön, mutig und anhänglich. Kriege führte man um den Besitz dieser Tiere, Hinterhalte wurden gelegt, Meuchelmorde verübt, Königreiche verschenkt. Selbst die schönsten Prinzessinnen des Orients wurden gern gegen diese Pferde verkauft. Bucephalus, das Pferd Alexander des Großen (356 vC - 323 vC) , vollbrachte Heldentaten. Bei seinem Tod im Jahre 326 vC während der Schlacht gegen den indischen König Porus am Fluss Hydaspes ließ Alexander zu Ehren seines Pferdes die Stadt Bucephala errichten, die es bis heute in Pakistan gibt. Diese Stadt ist das heutige Jehlam [Jhelum] im Punjab.
Bucephalus
Als Alexander 12 oder 13 Jahre alt war, brachte ein Pferdehändler ein ungeheurer schnelles, schönes und wildes Pferd, das niemand zu zähmen vermochte, an den mazedonischen Hof seines Vaters Philip II. . Sobald es seinen eigenen Schatten sah, der mit Reiter riesig war und aus zwei Köpfen bestand, wurde es wild und warf jeden noch so guten Reiter ab. Der junge Alexander beobachte dies und bat seinen Vater um Erlaubnis es selbst zu versuchen.
Er sprach leise auf das Pferd ein, stellte es mit dem Kopf hart gegen die Sonne, so dass es seinen Schatten nicht zu sehen vermochte, und schwang sich auf seinen Rücken. Er ritt in wildem Galopp der Sonne entgegen und kehrte erst nach einer Stunde mit dem schwitzenden Pferd zurück. Gezähmt, doch mit stolz erhobenem Kopf läßt Alexander es vor seinem Vater halten, der sich erstaunt nach dem Erfolg seines Sohnes erkundigt: "Als ich bemerkte das es vor seinem Schatten scheute, ritt ich lange gegen die Sonne und sprach beruhigend auf das Pferd ein. Als ich wendete, hatte es zu meiner Stimme Vertrauen gefasst und überwand seine Angst vor dem Schatten."
Die Antwort seines Vaters wird durch den griechischen Historiker Plutarch so überliefert: "Sohn, suche dir dein eigenes Königreich, denn Mazedonien ist zu klein für dich !" Philipp kaufte das Pferd für Alexander für 13 Talente. Ein Talent soll etwa dem Wert von 60 heutigen Britischen Pfund entsprochen haben, ein enormer Reichtum für ein Pferd.
Alexander gab dem Pferd den Namen Bucephalus, was 'Ochsenkopf' bedeuted. Es soll braun oder schwarz gewesen sein, mit einer weißen Blesse von der Form eines Ochsen auf seiner Stirn.
Nach der Legende soll Bucephalus bereits 12 oder 13 Jahre alt gewesen sein, als er Alexanders Pferd wurde. Er war das Lieblingspferd Alexanders und begleitete ihn durch alle seine Schlachten bei der Eroberung seines Weltreiches:
Chaeronea, Corinth, Theben, Granicus, Gordium, Issus, Tyre, Memphis, Ammon, Gaugamela, Babylon, Susa, Persepolis, Herat (Alexandria of the Aryans), Kandahar, Hindu Kush, Balkh, Sogdiana, Bukhara, Maracanda, Kokand, Alexandria Eschate, "the last Alexandria"
Arrian überliefert, dass sich Bucephalus Zeit seines Lebens von niemandem außer Alexander reiten ließ. Curtius behauptete, dass das Pferd in die Knie ging um Alexander das Aufsitzen zu erleichtern. Als Bucephalus einmal zusammen mit einer größeren Herde von Pferden von den Mardianern gestohlen wurde, drohte Alexander mit der Verwüstung des kompletten Landstrichs und belohnte die Pferdediebe bei der Rückgabe von Bucephalus fürstlich.
Bis heute verweisen afghanische Stammesfürsten auf ihre Abstammung von Alexander und auch darauf, dass man die besten ihrer Pferde direkt auf Bucephalus zurückführen könne.
Bucephalus starb im Alter von 30 Jahren an Altersschwäche oder Verwundungen kurz vor oder während der Schlacht am linken Ufer des Hydaspes gegen den indischen König Porus im Juni 326 v C, bei dem dieser neben vielen anderen Truppen auch 200 Kampfelefanten gegen Alexanders Heer einsetzte und nach härtestem Kampf unterlag.
Doch zu welcher Rasse gehörte Bucephalus ?
War er überhaupt ein Rassepferd ?
Sicherlich bot man König Philip nicht irgendein Pferd an, sondern ein ganz besonderes Tier. Sicherlich verliebte sich Alexander nicht in einen gewöhnlichen mazedonischen Klepper. Eine Variante der Legende von Bucephalus besagt, dass er von professionellen Pferdedieben gestohlen und ins mazedonische Königreich gebracht und dort über einen Mittelsmann dem König zum Kauf angeboten wurde (1). Das Pferd war zuerst sehr widerspenstig, vielleicht nicht, weil es sich um ein wildes oder nichtzugerittenes Pferd handelte (immerhin war Bucephalus zu diesem Zeitpunkt schon über 10 Jahre alt), sondern weil es sich bei der Unwilligkeit gegenüber fremden Reitern um ein typisches Merkmal dieser Rasse handeln könnte.
Warum nannte Alexander sein Pferd Bucephalus = Ochsenkopf ?
Folgende Erklärungen gibt es in der Literatur:
1. Das Pferd hatte einen besonders großen und breiten Kopf.
2. Das Pferd hatte besonders große und ausdrucksvolle Augen (Ochsenaugen).
3. Das Pferd hatte eine weiße Blesse auf der Stirn, deren Zeichnung an einen Ochsen oder an einen Ochsenkopf erinnerte.
4. Der Charakter und das Temperament des Pferdes wiesen eine Eigenwilligkeit auf, die an die Stoik von Ochsen erinnern ließ.
5. Der Stier war über Jahrtausende das heiligste Tier fast aller frühen Zivilisationen. Der Name "Ochsenkopf" drückt den Grad der Wertschätzung gegenüber dem Reittier Alexanders aus.
In vielen künstlerischen Darstellungen von Alexander und Bucephalus wird zumeist auf eine große Wildheit und auf einen großen, breiten Kopf des Reittieres Wert gelegt. Allerdings datieren diese Darstellungen aus den Jahrhunderten nach Alexanders Herrschaft und geben kein direktes Zeugnis von der Gestalt des Tieres ab, sondern sind offensichtlich vom Namen "Ochsenkopf" selbst beeinflusst. Allerdings lassen auch diese überdimensionierten Köpfe kaum eine überzeugende Ähnlichkeit mit dem Kopf eines Ochsen erkennen.
Wir halten folgende Aussagen über Bucephalus fest:
Bucephalus:
# war nicht aus dem griechisch-mazedonischen Raum, da von Barbaren (Nichtgriechen) gestohlen
# war mit 13 Talenten ungewöhnlich teuer
# war widerspenstig, wild, temperamentvoll, schwierig, aber Alexander in höchstem Maße ergeben und anhänglich
# hatte große, ausdrucksvolle Augen
# war ein sehr schnelles, ausdauerndes, genügsames und mutiges Pferd
# lebte sehr lange, ungefähr 30 Jahre
# war ein außergewöhnliches und seltenes Tier
Eine These:
Bucephalus war ein Steppenpferd aus dem heutigen persisch- turkmenischen Raum, möglicherweise ähnlich den heutigen Achal-Tekkinern oder den Karabaiern.
Für diese These bieten sich folgende Anhaltspunkte:
Achal- Tekkiner sind die älteste Pferderasse der Welt. Belegt seit mindestens 2500 Jahren.
Die berühmten antiken Pferdezüchter waren die iranisch- indoeuropäischen Völker der Meder, Parther und Baktrier in den riesigen Steppengebieten zwischem dem kaspischem Meer und China.
Aschgabad, die heutige Hauptstadt Turmenistans und Heimat der Achal- Tekkiner liegt unweit der antiken Stadt Nisa, wo die berümten Pferde des Dareios gezüchtet wurden. Zu dieser Zeit gehörte Nisa zu Medien und später zum Reich der Parther. Persien und Medien waren etwa seit Mitte des 6. Jahrhunderts vor Christus eng miteinander verbunden. Auch die Parther und Baktrier waren um das 4. Jhdt vC Persien tributpflichtig und stellten Reiter und Pferde.
Xerxes verfügte bereits über eine schlagkräftige Reiterarmee...
Dareios, der Perser wurde über Jahre zum Hauptfeind Alexanders, um ihn zu besiegen brauchte man unter anderem auch gleichwertige beste Pferde.
Zu den Rassemerkmalen der Achal-Tekkiner gehören:
#ein enormes Durchhaltevermögen und Genügsamkeit
(der legendäre 4128km- Dauerritt von Aschchabad nach Moskau 1935 in 84 Tagen)
# hohe Leistungsbereitschaft, Vorwärtsdrang und eine starke Persönlichkeit
# schnelles Antritts- und Reaktionsvermögen, eine schnelle Erholungsfähigkeit nach Strapazen
# sein Temperament macht die Führung gelegentlich schwierig bis widerspenstig
# für Anfänger ist dieses Pferd nicht geeignet
# eine sehr gute Lernfähigkeit
# der Kopf hat gerades Profil, ist fein ziseliert, trägt große, ausdrucksvolle Augen, die Nüstern sind weit, die Ohrmuscheln stehen weit auseinander
# die Haut ist äußerst dünn und das Fell sehr fein
# das Fell der Braunen, Füchse oder Falben hat oft einen metallenen Goldschimmer oder Kupferschimmer
# Anspruchslosigkeit gegenüber Wasser- und Futterangebot
# ein ausgeprägtes Personengedächtnis mit Hilfe des Geruchs- und Gehörsinn, große Anhänglichkeit
Alles in allem hätten dies ideale Eigenschaften für ein Pferd Alexander des Großen sein können.

Der Karabair zählt neben den Achal-Tekkinern zu den ältesten Pferderassen des mittelasiatischen Raums. Bis heute wird der Karabair in Usbekistan gezüchtet.
Man beachte die Blesse, in der Form eines Ochsenkopfs ??
(1) "...some of the barbarians stole Bucephalus, the best horse, that was given as a present by Dimaratos the Korinthian, and escorted Alexandros in his expedition to Asia..."
Diodoros Sikelianos Historical Library, 22, 12
Historian, 1st cent. AD










24.09. bis 08.10. 2006
Tuschetien liegt abgeschlossen von der Kette des Großen Kaukasus im Nordosten Georgiens und ist die Heimat der Tuschen. Zweimal im Jahr wechseln die tuschetischen Hirten die Weiden für ihre Schafe, Ziegen, Kühe und Pferde. Im Frühjahr ziehen sie von den südlichen Steppen in Schiraki an der aserbaidschanischen Grenze quer durch Kachetien nach Norden und dann über den 2870 m hohen Abanopass in die tuschetischen Bergdörfer. Auf saftigen Wiesen in der rauen Höhenluft stellen sie die vorzüglichsten tuschetischen Käsesorten her, bewirtschaften ihre Herden und pflegen jahrhundertealte Traditionen. Ende September nach der Kartoffelernte und bevor im Hochgebirge der erste Schnee fällt werden die provisorischen Hirtenlager wieder abgebaut, Pferde, Esel und Lastkraftwagen beladen und die Herden über Tagesetappen von 20 bis 30 km zurück nach Kachetien getrieben. Neben unseren regulären Touren nach Tuschetien in den Sommermonaten bieten wir diese Abenteuerreise nur zu einem Termin im Herbst an. Es erwarten die Teilnehmer grandiose Landschaften, tuschetische Gastfreundschaft, Einsamkeit und ein abenteuerlicher Zug mit den Herden zu Pferd oder zu Fuß über die Kette des großen Kaukasus. Tuschetien ist ein Eldorado für Naturfreunde, Reiter, Abenteurer, Angler, Fotografen, Journalisten und Künstler.


Unglaublich, die Superstars in Buffalo Bills Wild West Show waren neben den Indianern die sogenannten "Kosacken", georgische Trickreiter aus der Region Gurien unweit des Schwarzen Meeres. Für einen Monatslohn von 100 USD tourten die Georgier mit Buffalo Bills Show jahrelang quer durch Amerika und Europa. Der Verdienst, diese Geschichte um die heißblütigen Gurier wiederentdeckt zu haben, gebührtIrakli Makharadze und Akaki Chkhaidze. Neben einer Broschüre gibt es eine sehr schöne Webseite mit vielen Fotos dazu: www.georgians.ge



Von Pferden und Menschen oder ein Ritt durch Kachetien mit einem Exkurs nach Tuschetien
Lieber will ich von Pferden und Menschen erzählen, denn die Sehenswürdigkeiten unterwegs beschreibt ein guter Reiseführer allemal besser als ich.
Manchmal schon habe ich die Erfahrung gemacht, dass das, was Menschen von ihren Pferden verlangen Rückschlüsse darauf zulässt, was sie von sich selbst verlangen. Darum will ich mit den Pferden beginnen.
Rysha, "mein" Pferd, du sollst stellvertretend stehen für die anderen. Du bist so zäh und duldsam, wie ich kein Pferd sonst kenne: ich könnte schwören, dass der Sattel auf Deinem "schwierigen" Rücken kneift, aber du hast meine Prognose ("Satteldruck nach zwei Tagen") widerlegt. Nichts war. Ich konnte mich auf dich verlassen: auch im Galopp über Stock und Stein und Löcher und Rillen im Boden (ich mach mir sonst in die Hose bei so was!) bist du nicht ein einziges Mal gestolpert. Und den steilen Weg hinauf nach Nekressi... – ich hab' die Luft angehalten! Naja, dass du am Abend dem Kumpel den Hafertopf unter der Nase weggezogen hast, war zwar nicht ganz fair, aber verständlich. Deine Kondition hat mich um ein Haar umgehauen – bestimmt hast du gesehen, wie ich fix und alle an dem Baum gelehnt bin, während du in Ruhe gegrast hast. Und meine Reiter-Schwächen hast du auch nicht ausgenutzt. Dafür danke ich dir.
Soviel in Kürze: diese Pferde sind zäh, genügsam, duldsam und leistungsbereit und dann auch noch freundlich. Und die Menschen?
Der Reiseführer lobt die georgische Gastfreundschaft – falsch. Es muss Gast-Freundschaft heißen. Wir kamen als Gäste und wurden aufgenommen wie Freunde. Immer und überall hatten unsere Gast-Freundschaft-Geber nur die eine Sorge: unser Tag sollte mit Tschatscha (= Grappa) jungem Wein, Schaschliki, Teigtaschen.... und allem was die Küche hergab (und sie gibt Köstlichkeiten ohne Ende her!) ein Fest werden. Ich will eure Namen nicht nennen – aus Sorge, ich könnte einen vergessen, aber eure Gesichter haben sich tief eingeprägt, alle. Von euren vielen Trinksprüchen habe ich doch einige im Gedächtnis behalten, etwa die, mit denen ihr auf Abwesende trinkt und sie so an den Tisch holt, der Verstorbenen gedenkt und derer, an die keiner denkt. Sie lenken die Gespräche. Wir erfahren auch von euren täglichen Sorgen und Nöten, von eurem Leben und dem eurer Eltern und Großeltern, von dem auch, was ihr für eure Kinder erhofft. So verschieden eure Lebens-Geschichten auch sind: Da ist neben dem Beruf die Arbeit in der Landwirtschaft, die Sorge um die Kinder und die Pflege der Eltern und Schwiegereltern, die Hilfe für Verwandte und Freunde... Habt ihr gemerkt, dass ich etwas mitgenommen habe von eurer Liebe und eurer Freundschaft, von der Art, wie ihr die Dinge hinnehmt und was ihr daraus macht...? Ich wünsche euch, dass ihr ein Vielfaches zurückbekommt von dem, was ihr anderen gebt und uns gegeben habt – darauf will ich trinken. Verzeiht, wenn ich es erst am Abend und nicht gleich beim Frühstück tue. Gaumartschoss.
Und ich trinke auf euer Lachen und eure spontanen Einfälle. Zum Beispiel den, unseren Reiseplan doch einfach zu ändern und mit euch nach Tuschetien zu fahren. Wie viel habt ihr uns von den Schönheiten eurer Heimat erzählt, die schon eure Großeltern verlassen haben. Ihr habt uns eure Dörfer gezeigt und eure Häuser, die ihr immer noch pflegt, um im Sommer dahin zu fahren. Jetzt, im Herbst waren die letzten Hirten noch dort, bereit zum Aufbruch ins Tal, viele sind uns unterwegs schon mit ihren Schafen, Ziegen, Pferden und Rindern entgegengekommen. Ich glaube nicht, dass es am Tschatscha allein lag, weshalb ich drei Tage lang wie auf Watte ging – man kann auch von Schönheit besoffen werden: Der erste Schnee auf den Bergen, die letzten Schafe, wie weiße Pünktchen an den steilen Berghängen, kleine Pferdeherden... und all die Sterne in der Nacht. Auch wenn es ein Ort der Träume bleibt, aber es gibt ihn: der Ort, an dem "meine kleine Ranch" stehen könnte...
Hilft nichts, wir mussten zurück. Zurück nach Lagodechi in zwei harten Tagesetappen. Unterwegs Besuch der Kirche von Alawerdi: draußen das pulsierend Leben an der Straße, es ist Erntedank-Fest. Hammel, die noch leben und solche, die schon nach Schaschliki duften. Drinnen Menschen in Andacht, auch leise im Gespräch, überall Kerzen... Dass Heiner und Claude sich danach diskret zu Simoni ins Begleitauto zurückziehen, beschert mir mit fast 60 km fast ausschließlich im Trab und Galopp einen "original georgischen Tages-Ritt" mit Pawlika – und Ganzkörpermuskelkater. Und die Erkenntnis: Rysha "mein" Pferd, im Vergleich zu dir und deinen Artgenossen sind die Pferde in meinem Land verwöhnte, zickige Luxus-Mimosen. Und ich?
Von Pferden und Menschen wollte ich berichten.
Edeltraut Mai, Oktober 2004
